Midsummer Love - Mittsommerliebe

Midsummer Love - Mittsommerliebe

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Ein deutsch-englischer Frauenroman (Schwierigkeitsgrad A2)
von Petra A. Bauer
Langenscheidt, Oktober 2009
€ 7.95

Annika Reinhardt hat sich wegen einer kaputten Beziehung überstürzt von ihrer Firma nach Stockholm versetzen lassen und in Berlin alle Zelte abgebrochen. Erst als sie in Schweden völlig auf sich gestellt ist, wird ihr klar, auf was sie sich eingelassen hat.

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LESEPROBE

CHAPTER TWO
Als sie am nächsten Tag am Flughafen stand, war sie sich dessen nicht mehr so sicher. Schließlich ließ sie ihr ganzes bisheriges Leben hinter sich.
Am Abend zuvor hatte ein tränenreicher Abschied von Delia und ihren anderen Freundinnen stattgefunden, die ihr versicherten, dass sie das Richtige tue. Und doch würde sie die Mädels vermissen.

Delia hatte sie zum Flughafen bringen wollen, aber Annika wollte diesen Schritt lieber alleine tun.
“I have to do everything on my own now, anyway. If you come with me to the airport, I probably won’t get on the goddamned aircraft.”

Nach dem Einchecken beschloss sie, ihr neues Leben sofort zu beginnen. Sie war nun nicht mehr die Berlinerin Annika Reinhardt, sondern eine Geschäftsfrau auf dem Weg nach Schweden, die immerhin Englisch sprach, wenn sie schon kein Schwedisch konnte.

“Möchten Sie ein Sandwich?” Die Stewardess lächelte freundlich.
Annika sah sie fragend an.
“Would you like a sandwich? Cheese? Ham?”, wiederholte die Flugbegleiterin.
“Oh, yes. Cheese, please.”
“Would you like something to drink?”
“Coffee, please.”

Das Sandwich schmeckte erstaunlich gut, und nachdem die Flugbegleiter den Abfall wieder eingesammelt hatten, befand sich das Flugzeug auch schon wieder im Sinkflug.

Übung 4: “Would” oder “want”? Setzen Sie das passende Wort ein.
1. I _____________________ like a sandwich, please.
2. _____________________ you like something to drink?
3. I don’t _____________________ to talk to any men.
4. Do you _____________________ a new job?
5. I _____________________ like a new job.
6. We _____________________ another drink.

Langsam verstehe ich, weshalb die Indianer bei der Erfindung der Eisenbahn sagten, ihre Seele käme gar nicht mit, dachte Annika, als sie auf dem Arlanda Airport stand. Eben war ich noch in meinem alten Leben und anderthalb Stunden später bin ich völlig woanders und ein neues Leben wartet auf mich.

Sie trat durch die Absperrung und sah neugierig zu den Leuten, die dort standen und auf die Ankommenden warteten. Vergeblich hielt sie nach einem Schild Ausschau, auf dem ihr Name stand. Sie hatte gehofft, doch abgeholt zu werden, obwohl BPC Stockholm ihr geschrieben hatte, sie solle den Bus nehmen.
Sie kramte die Reiseunterlagen aus ihrer Handtasche und sah sich um.

“Excuse me, can you tell me the way to the shuttle, please?”, fragte sie eine blondbezopfte Frau, die eben an ihr vorbeieilen wollte.
“Flygbussen?”, fragte diese zurück und deutete auf ein Schild mit eben dieser Aufschrift.
“Just follow those signs. It’s pretty easy.” Die Frau lächelte und lief weiter.

Annika ging den blauen Schildern nach. Es gab auch einen Zug, den Arlanda Express, aber die Firma hatte offensichtlich Geld sparen wollen und für sie den Bus gebucht.

Hoffentlich handelt es sich bei der Wohnung nicht auch um eine Sparversion, überlegte sie, als sie schließlich im Bus saß und die Landschaft an sich vorbeiziehen sah.
Solna stand auf einem Schild, und als sie die Bürogebäude dieser Stockholmer Vorstadt im Vorbeifahren betrachtete, entdeckte sie auch das Logo der Babylon Phone Company oben an einem der Häuser. Die Firma war nicht nur Telefongesellschaft sondern stellte auch eigene Mobiltelefone her. In Deutschland spielte
BPC nur eine kleinere Rolle, doch in Skandinavien war der Marktanteil deutlich höher. Die schwedische Niederlassung war für ganz Skandinavien zuständig, und Annika war gespannt, ob es einen gravierenden Unterschied zwischen der Arbeit in der deutschen und schwedischen Abteilung für Unternehmenskommunikation geben würde.

Die Endhaltestelle des Flughafenbusses befand sich am Cityterminalen, dem zentralen Omnibusbahnhof, der durch einen unterirdischen Gang mit T-Centralen verbunden ist.
T-Centralen ist das Herz des Stockholmer U-Bahnnetzes, an dem alle Linien zusammentrafen. Das T steht für Tunnelbana – schwedisch für U-Bahn. Auch der Hauptbahnhof war direkt nebenan.

“Excuse me, please. How do I get from here to Södermalm?”, fragte sie einen vorbeihastenden Mann.
“Sorry, I’m a stranger here myself. You’d better ask at the information desk.” Er deutete vage in eine Richtung und war schon weitergeeilt.

Das fing ja gut an. Annika war mit einem Mal sehr froh, dass sie tatsächlich nur ihren roten Koffer, die große Handtasche und das Notebook dabei hatte. T-Centralen war der größte und unübersichtlichste Bahnhof, der ihr je untergekommen war. Sie hätte ein Taxi nehmen können, doch auch dafür hätte sie erst einmal aus dem Bahnhof hinaus auf die Straße finden müssen. Und überhaupt – wenn sie schon am ersten Tag vor dieser Stadt kapitulierte, wie sollte es dann wohl weitergehen?

Entschlossen wandte sie sich an eine Frau, die vor einer Wand stand und auf etwas zu warten schien. Diesmal hatte sie Glück. Die Frau brachte Annika zum Customer Service von Storstockholms Lokaltrafik. SL stand in großen Lettern darüber.

“Don’t forget to take a number first!”, rief sie ihr noch zu,als Annika durch die Glastür zur Information ging. Annika zog eine Nummer und wartete, bis diese über dem Schalter eines Kundenbetreuers aufleuchtete. Als sie endlich vor dem Mann am Infoschalter stand, fühlte sie sich plötzlich klein und allein. Der Mann lächelte sie so väterlich-freundlich an, dass sie ihm am liebsten ihr Herz ausgeschüttet hätte. Doch was ging ihn ihr dummes Leben an?

(...)


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